Bienenpost zwei

allo liebe Bienenfreunde! Aufregende Tage liegen hinter uns - das erste Bienenvolk des Jahres ist geschwärmt. Auf dem linken Foto seht ihr den Schwarm in unserem Bambus im Garten hängen und rechts, wie er in eine Schwarmfangkiste einzieht. Bienenschwärme sind ein spannendes Thema, deswegen möchte ich euch heute und im nächsten Newsletter mehr dazu erzählen.
 
 Liebe Grüße,
 eure Susanna
 
Wenn Bienen schwärmen
Hast du schon mal gesehen, wie ein Bienenvolk schwärmt? Die Bienen schießen aus dem Flugloch der Beute heraus als gäbe es kein Halten mehr. Die Luft ist elektrisiert, es brummt und summt.  Es ist spektakulär und wer es miterleben darf, kann sich glücklich schätzen.

Vielleicht hast du auch schon Storys von Bienenschwärmen gehört, die es sich unter Hausfassaden gemütlich gemacht haben. Gerne genommen werden auch Rollladenkästen (vor allem Rollladenkästen!), Dachgiebeln und Schornsteine – Unterschlüpfe in einigen Metern Höhe eben, die Bienen als passende Bleibe für ihr Volk betrachten. Die Aufgabe des Imkers ist es, den Schwarm einzufangen und ihm in einer Bienenbeute ein bienen- und menschenfreundlicheres Zuhause zu geben.

In dieser Bienenpost möchte ich dir erklären, warum und wie Bienen schwärmen.

Wusstest du, dass die Größe eines Bienenvolkes und die Lebensdauer der einzelnen Bienen im Jahresverlauf variieren? Eine pollen- und nektareintragende Biene im Hochsommer hat so viel zu tun, dass sie nur knapp 35 Tage lebt. Im Gegensatz dazu kann eine Winterbiene bis zu neun Monate überdauern.

Der Erfolg des Bienenvolkes hängt maßgeblich von der Königin ab. Ihre Legekapazität bestimmt, wie viele neue Bienen pro Tag schlüpfen können. (Ansonsten hat sie allerdings wenig Mitspracherecht, wie du gleich noch erfahren wirst.) Im Frühsommer erreicht der Bien mit bis zu 50.000 Bienen seine größte Volksstärke. Dann beginnt für Bienen und Imker gleichermaßen eine spannende Zeit: die Schwarmzeit.Bei uns in Schleswig-Holstein ist es meistens im Mai so weit.

In den letzten Monaten haben die Arbeiterinnen den Laden ohne männliche Hilfe geschmissen. Das tun sie auch weiterhin – und ziehen nebenbei die ersten Drohnen der Saison auf. Wenn diese geschlüpft sind, ist das Bienenvolk komplett. Man könnte auch sagen: geschlechtsreif. Die Drohnen werden benötigt, um Königinnen anderer Völker zu begatten. Für die Fortpflanzung des bestehenden Biens spielen sie keine Rolle. Denn der Bien pflanzt sich nicht über das Eierlegen der Königin fort, sondern in dem er sich teilt.

Ein Bienenvolk wird sich unweigerlich teilen wollen, wenn es den ihm zur Verfügung stehenden Raum vollständig ausgenutzt hat – wenn die Bienenbeute also aus allen Nähten platzt. Dann ist die Zeit gekommen, eine zweite Königin heranzuziehen. Das geschieht über sogenannte Schwarmzellen. Die Eier, die die existierende Königin in diese erdnussförmigen Zellen am unteren Rand einer Wabe legt, werden von den Arbeiterinnen mit einem besonderen Futter versorgt: dem berüchtigten Gelée Royale. Das führt dazu, dass in diesen Zellen keine Arbeiterinnen heranwachsen, sondern Prinzessinnen  – zukünftige Königinnen also.

Wenn diese Zellen verschlossen sind, was nach circa acht Tagen der Fall ist, bereiten die Arbeiterinnen die derzeitige Königin auf das Schwärmen vor. (Ja, es ist wirklich so. Nicht die Königin entscheidet, wann geschwärmt wird, sondern die Arbeiterinnen.) In ihrem jetzigen Zustand kann die Königin jedoch nicht fliegen. Deswegen wird sie von den Arbeiterinnen auf Diät gesetzt. Nach zwei Tagen hat sie ihr Fluggewicht erreicht. Dann füllt die Hälfte des Volkes seine Honigmagen, treibt die Königin aus der Beute und – schwärmt!
Was glaubst - welche Bienen schwärmen?
Die Jungen?
Die Alten?
Eine Kombination aus beidem? 
Die Antwort darauf – und wie es mit dem Schwarm und den zurückgebliebenen Bienen weiter geht – erfährst du in der nächsten Bienenpost.